Was ist dran an den Produkten zur Säuglingsnahrung?
Auf den Verpackungen von Muttermilch-Ersatzprodukten wird teilweise dafür geworben, dass diese einen gesundheitlichen Vorteil gegenüber dem Stillen haben sollen. Laut dem Ergebnis einer internationalen Studie scheint es aber an aussagekräftigen wissenschaftlichen Belegen für diesen vermeintlichen Benefit zu fehlen.
Von 2020 bis 2022 nahmen Wissenschaftler in weltweit 15 verschiedenen Ländern die gesundheits- und nährwertbezogenen Angaben auf entsprechender Säuglingsnahrung und den dazugehörigen Werbematerialien näher unter die Lupe. Darunter befanden sich Aussagen, die sich auf die vorteilhafte Entwicklung der sehr jungen Verbraucher bezieht. So fanden sich beispielsweise Angaben, die auf eine Unterstützung der Gehirnentwicklung, der Augen und des Nervensystems hindeuten. Oder es wurden Hinweise darauf gegeben, dass das jeweilige Produkt ein gesundes Immunsystem unterstütze und das Wachstum und die allgemeine Entwicklung stärke.
Die Studienverantwortlichen kamen zu dem Ergebnis, dass es lediglich zu 161 der 608 untersuchten Produkte entsprechende wissenschaftliche Belege gab. Davon wiesen lediglich 14 % den Status einer registrierten klinischen Studie auf. Ein Großteil dieser zitierten Studien jedoch war mithilfe privater Förderer aus der Nahrungsmittelindustrie in Auftrag gegeben worden. In Summe mangelte es bei 74 % der untersuchten Ersatzprodukte an jeglichen Studien, welche die Wirkversprechen hätten belegen können.
Vor diesem Hintergrund besteht von Expertenseite die zunehmende Forderung, dass mithilfe von stärkeren Regulierungen den unsachgemäßen Werbeaussagen entgegengesteuert wird. Der Rechtsrahmen müsse international verbessert und es müsste effektiver kontrolliert werden, ob derartige Vorgaben auch umgesetzt würden. Zudem müssten die gesundheitlichen Vorteile des Stillens stärker in den Vordergrund gerückt werden.
Rollins, N.
Poorly substantiated health claims on infant formula
BMJ
2/2023
